Polystratale und monostratale Toponomastik – am Beispiel der Romania Submersa und der Insel La Réunion



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    Thomas Krefeld (2020): Polystratale und monostratale Toponomastik – am Beispiel der Romania Submersa und der Insel La Réunion, Version 4 (02.04.2020, 11:26). In: Korpus im Text, Serie A, 54338. url: http://www.kit.gwi.uni-muenchen.de/?p=54338&v=4
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Für nützliche Hinweise danke ich Irmtraut Heitmeier.

1. Proprietäre und generische Eigennamen

Im Bereich der Nominalausdrücke lassen sich in semantischer Hinsicht Appellative (nomina appellativa) und Eigennamen (nomina propria) unterscheiden: Eigennamen referieren obligatorisch auf unikale Realia in der außersprachlichen Wirklichkeit. So eine maximal spezifische Referenzfunktion  können auch Appellative übernehmen, aber im Unterschied zu den Eigennamen haben sie obligatorisch eine lexikalische Bedeutung, mit der Klassen von Referenten1Man beachte, dass Markennamen in diesem Verständnis gerade nicht wie Namen, sondern wie Appellative funktionieren; es kann also nicht verwundern, dass sie oft für Bezeichnung vergleichbarer Referenten generalisiert werden, die nicht unter die jeweilige Marke fallen, wie deu. Tempo ‘Papiertaschentuch’. bezeichnet werden; proprietäre Namen (vgl. die folgende Abbildung) sind über die schiere Referenz hinaus unverständlich. Beide Kategorien sind jedoch nicht scharf getrennt, denn Appellative können als solche, zusätzlich, auch die Funktion von Eigennamen haben oder wenigstens Konstituenten von Eigennamen sein:

Nomina propria:
konventionelle Bezeichnung
eines unikalen Referenten
(hier: georef. Siedlung)  
  Nomina appellativa:
konventionelle Bezeichnung
einer Klasse von Referenten
proprietär Andechs
    generisch
generisch Berg
deu. Berg
part. gener. Penz berg
Proprietäre und (partiell) generische Eigennamen aus synchronischer Sicht

Drei Typen von Ortsnamen: Andechs , Berg , Penzberg (diese und die folgenden Karten sind interaktiv und haben klickbare Symbole)

2. Ein polystrataler Raum par excellence: Die Romania submersa

2.1. Das Tiroler Stubai(tal)

Die drei Eigenamentypen koexistieren in zahlreichen Sprachräumen auf engstem Raum, wie exemplarisch am Beispiel von Siedlungs-, Berg- und Gewässernamen des bairischsprachigen Stubaitals in Tirol, nahe Innsbruck, gezeigt werden soll:2Analoge Beispiele aus dem Karwendel finden sich in Krefeld 2020.

SIEDLUNGEN

Drei Typen von Siedlungsnamen (Beispiele aus dem Stubaital, Tirol):
– proprietär: Telfes ()
– generisch: Neustift ()
– partiell generische: Krößbach (♦)

BERGE

Drei Typen von Bergnamen (Beispiele aus dem Stubaital, Tirol):
– proprietär: Serles ()
– generisch: Zuckerhütl ()
– partiell generisch: Peilspitze (

GEWÄSSER

Analoge Beispiele aus dem Bereich der Gewässernamen finden sich schnell, auch im soeben genannten Stubaital, wo der Hauptbach Ruetz heißt (proprietär); zwei benachbarte Zuflüsse werden als Mühlbach (generisch) und als Zirkenbach (partiell generisch) bezeichnet.

Drei Typen von Bachnamen (Beispiele aus dem Stubaital, Tirol):
– proprietär: Ruetz ()
– generisch: Mühlbach ()
– partiell generisch: Zirkenbach ()

2.1.1. Nomina Propria und Stratigraphie

Die proprietären Namen und insbesondere die ortsgebundenen Toponyme und Hydronyme, überdauern oft auch mehrfachen Sprachwechsel. Sie  können also in aller Regel als Relikte nicht mehr gesprochener Substratsprachen interpretiert werden und sind in historischer Hinsicht von evidentem Interesse, da sie privilegierten Zugang zur sprachlichen Stratigraphie eines Siedlungsraums eröffnen. Solche Reliktnamen führen nicht selten bereits proprietäre Namen von Substratsprachen fort, aber wenn man die Substratsprachen kennt, ist es unter Umständen auch möglich, die proprietären Namen auf generische Namen der Substratsprachen zurückzuführen.

Direktes Substrat im Stubaital, wie auch im gesamten heute deutsch- bzw. slowenischsprachigen Alpenraum war das Lateinisch-Romanische. Inwieweit und wie lange sich die noch weiter zurückliegenden vorlateinischen Substrate (Rätisch, Keltisch u.a.) halten konnten, ist unklar. Methodisch wichtig ist nun die Tatsache, dass die aktuellen romanischen Dialekte des Alpenraum, die sich in den nicht germanisierten/slawisierten Gegenden in  ununterbrochener Kontinuität aus dem regionalen Lateinischen entwickelt haben, recht gut bekannt und dokumentiert sind. Dazu zählen Sprachatlanten, Wörterbücher ([vgl. die kurze Übersicht in Colcuc/Krefeld 2019) sowie für Gaubünden und das Trentino mittlerweile zwei noch nicht abgeschlossene toponomastische Portale (vgl. Ortsnamen.ch und DTT). Gerade die beiden zuletzt genannten Dokumentationen zeigen die konstruktiven Perspektiven und aktuellen Grenzen auf dem Weg der Geolinguistik in die Digital Humanities, denn beide wurden offenkundig als isolierte Projekte im nationalen bzw. regionalen Rahmen angelegt – und nicht als grundsätzlich über den eigenen räumlichen Skopus hinaus erweiterbare und offene Keimzellen exhaustiver Erfassung. Immerhin bietet (Ortsnamen.ch) eine Schnittstelle zum Download der Daten an; dieses Angebot vermisst man im DTT, so dass die unbedingt sinnvolle und wünschenswerte Zusammenführung der beiden Datenbanken vorderhand nicht möglich ist. Ein entsprechendes – offenenes – Modell zur Integration unterschiedlicher Datenquellen in einen gemeinsamen und im Ganzen abfragbaren, strukturierten Datenbestand wurde am Beispiel der alpinen Sprachatlanten und Wörterbücher durch das Projekt Verba Alpina entwickelt. 

Wie nützlich diese Anstrengungen für die historische Geolinguistik und Sprachgeschichtsschreibung sind, zeigt sich sofort darin, dass sich für alle genannten proprietären (nicht generischen) Namenbeispiele der drei vorhergehenden Karten ganz eindeutige Entsprechungen in der Toponomastik der romanischsprachigen Nachbarschaft Graubündens  und des Trentino (worauf wir uns wegen der leicht zugänglichen Dokumentation hier beschränken) finden:

2.1.2. Die proprietären Stubaier Beispiele der Kategorie SIEDLUNG

  • Telfes < vorröm. *telva (vgl. Schorta 1964, 339), entsprechende Ortsnamen gibt Ortsnamen.ch, s,v. Telfs, Dalfazza.
  • Kröß(bach) < vorröm. (gall.?) crosu ‘hohl’ (vgl. Schorta 1964, 117), (vgl. Ortsnamen.ch), s.v. crös, cres, Kress; FEW en ligne; (ATILF a), s.v. *krosu, 2, 1362-1365, fra. creux ‘hohl’; DTT, s.v. Cles. Da diese Basis in den Schweizer und Trentiner Toponymen ebenso wie im Galloromanischen gerade auch Gewässer bezeichnet (vgl. Crès Balmasc und Clés) könnte es sich gut um einen hybriden Übersetzungsnamen handeln (s.u.). Man beachte übrigens die Motivationsrichtung, die Siedlungsnamen aus Flussnamen ableitet; der umgekehrte Weg ist in Gegenden mit substrataler Tiefe selten und bedarf besonderer Erklärungen.3Die in diesem Abschnitt genannte Namen Telfes und Kröß- zeigen weiterhin, dass sich im Substrat nicht nur Elemente einer Sprache, wie hier des Lateinisch-Romanischen, finden, sondern dass sich darin weitere unterliegende Schichten (Strata) freilegen lassen; so finden sich im exemplarisch bemühten Stubaital auch Namen wie Grawa, die zwar ebenfalls im nahe gelegenen romanischen Alpenraum sehr stark belegt sind (vgl. Schorta 1964; s.v. grava (96 Belege), grawa (3 Belege), grevas (12 Belege), grèves (15 Belege), grève (7 Belege), die jedoch sehr deutlich bereits in vorrömische Zeit verweisen (< vorrömisch *grava ‘Kies’; vgl. Schorta 1964, 165 f.165 f.).  

2.1.3. Die proprietären Stubaier Beispiele der Kategorie BERG

  • Serles < serla ‘Zaunlücke’, das im Engadin auch als Flurname gut belegt ist (< rom. serra ‘Engpass, Schloss’; vgl. Schorta 1964, 309 f. sowie die Namenbelege in ATILF a, s.v. serla[s] und (DTT), s.v. serla.
  • Peil(spitze) < lat. pila

    „I. ‘Mörser, Trog’, II. ‘Säule, Pfeiler’ REW 6496, 6497, FEW 8, 474, 475. – r. pella (S) ‘Gerstenstampfe, Wasserfall’. Es ist nicht überall möglich herauszufinden, welche Namen auf pila I und welche auf pila II zurückgehen.“ vgl. Schorta 1964, 240.
    Ortsnamenbelege geben wiederum [
    cite key=“8653″ nopar=“true“], s.v. pila, pile, pella und DTT, s.v. pila (23 Belege).

2.1.4. Die proprietären Stubaier Beispiele der Kategorie GEWÄSSER

Die in den drei Beispielgruppen belegte und in Räumen mit historischer Tiefe sehr häufige Überführung eines substratal generischen in einen proprietären Eigennamen lässt sich wie folgt schematisieren:

Nomen proprium, z.B. Kästrich (georef. Stadtviertel von Mainz) herrschende Sprache
↑  (nach Sprachwechsel unverständlich)  
Nomen appellativum, z.B. lat. castrum ‘Militärlager’
Substratsprache
Erhalt eines substratal generischen Eigennamens in proprietärer Gestalt

In selteneren Fällen tritt im Übrigen auch die umgekehrte Entwicklung ein, bei der aus einem proprietären Eigennamen ein Nomen appellativum entsteht; so wird aus dem Namen einer Insel, die dem Gott Vulcanus geweiht war, die Bezeichnung des Konzepts VULKAN:  

Nomen appellativum vulcano ‘Vulkan’
Italienisch
   
Nomen proprium (Insula) Vulcani (georef. Ort) Lateinisch
Diachronischer Wandel vom Nomen proprium zum Nomen appellativum

3. Archäologische und sprachliche Kontinuität – vom Appellativum zum Toponym

Einen grundlegenden Beitrag zur Erklärung proprietärer Toponyme aus substratalen Appellativen leistet die Archäologie; das gilt vor allem dort, wo sie eine spätantik-frühmittelalterliche Siedlungs- oder Nutzungskontinuität nahelegt.

3.1. Über Villen, Weiler und lat. villa

Während in den Städten, deren Namen sich mindestens teilweise bis heute erhalten haben (Kempten, Epfach, Augsburg, Günzburg, Regensburg, Lorch, Passau usw.) die Annahme einer, womöglich auch schwachen, Kontinuität von vornherein selbstverständlich ist, sind die Verhältnisse im ländlichen Raum weniger einfach zu rekonstruieren, wie sich an den Ortsnamen mit der Basis Weil exemplarisch entwickeln lässt. Es ist vollkommen unbestritten dass dieser Typ formal auf lat. vīlla ‘Landgut’ zurückgeht. In großer Zahl gesichert ist vor allem der Typ, der als villa rustica spezifiziert wird. Darunter versteht man eine ländliche „Einzelsiedlung [die] auf Überschussproduktion ausgerichtet“ (vgl. Päffgen 2019, 34) war. Dieser Siedlungstyp, der von der Archäologie in große Zahl nachgewiesen werden konnte,  war von fundamentaler Bedeutung, denn er bildetet „das Rückgrat der Lebensmittelversorgung in den Grenzprovinzen des Imperium romanum“ (Konrad 2019, 247).4Die beiden soeben zitierten Arbeiten geben einen sehr gut dokumentierten archäologischen Überblick.

Die Ortsnamen mit der Basis Weil sind nicht sehr zahlreich; es handelt sich teils um Simplicia, teils um Komposita. Nun hat Irmtraut Heitmeier in einem wegweisenden Aufsatz darauf hingewiesen, dass in diesen Orten oder in ihrer unmittelbaren Nachbarschaftin der Regel tatsächlich große villae rusticae gesichert werden konnten, so in Weil am Lech, nördlich Landsberg, in Baisweil, bei Egweil und in Weildorf im Berchtesgadener Land. Alle liegen an wichtigen antiken Straßen, Straßenkreuzungen oder Flussübergängen. Diese Lage zeichnet auch die Weil-Namen ohne archäologischen Siedlungsbefund aus, wie z.B. Rottweil am Neckar und Rankweil in Vorarlberg, so dass man dieselbe Etymologie annehmen darf. 

„Als Gemeinsamkeit der hier angeführten Weil-Namen zeichnet sich […] eine wichtige Verkehrslage an Straßen oder Straßenkreuzungen ab und die Qualität  als Herzogs- bzw. Königsgut. Weil-Namen scheinen im Frühmittelalter Domänen zu bezeichnen, die sich unmittelbar aus römischen Strukturen entwickelten und für die Herrschaftsbildung bzw. als Ressourcen der Herrschaftsausübung keine geringe Rolle spielten.“ (Heitmeier 2019, 605)  

Toponyme mit der Basis Weil (< lat. villa[m] ‘Landgut’)

Aus sprachgeschichtlicher Sicht kann man weiterhin feststellen, dass sich in den Weil-Namen offensichtlich keine römischen Namen einzelner Landgüter erhalten haben, sondern dass die generische Bezeichnung des Siedlungstyps (lat. villa) gelegentlich zum Namen einzelner Vertreter dieses Typs geworden ist. Auch die Tatsache, dass ein selbständiges  Appellativum ahd. *uuîla, das als Etymon von Weil angesetzt werden muss, gar nicht belegt ist,5Für diesen Hinweis danke ich Brigitte Bulitta vom AWB. spricht dafür, die Toponyme mit Weil jeweils als Fälle lokaler Kontinuität anzusehen.

Aus archäologischer Sicht zeigen sich in der späten Kaiserzeit sehr deutliche Veränderungen des Siedlungstyps: In quantitativer Perspektive ist zunächst unübersehbar, dass im krisenhaften 3. Jahrhundert zahlreiche Villen aufgegeben wurden. Die Villen, die im 4. Jahrhundert weitergeführt werden konzentrieren sich „auf das unmittelbare Umfeld der Zentralorte und die „Nähe der Hauptverbindungswege“ (Konrad 2019, 254 f.). Sodann Außerdem änderte sich in qualitativer Hinsicht die wirtschaftliche Struktur durch „Einrichtung eines eines zweiten ökonomischen Standbeins in Form von Gewerbe“ (Konrad 2019, 256). In einigen Fällen, wie in der Villa Hambach 512 „liegt sogar ein Beispiel für einen kompletten Nutzungswandel vom Gutsbetrieb zu einer kleinen Gewerbesiedlung vor“ (Konrad 2019, 257). Die teilweise oder ganz aufgegebenen Villenareale wurden nicht selten wiederbesiedelt und mehr oder weniger nach- und umgenutzt; die dabei eingesetzte Bauweise sowie etwaige Reihengräber, die in Villenarealen angelegt wurden, lassen auf die zunehmende Präsenz von Germanen schließen:

„Allerdings wissen wir nicht, welche Funktion die germanischen Gruppen im sozialen Gefüge der Gutshöfe einnahmen, ob die zeitgleiche Präsenz einer römischen Bevölkerungsgruppe ausgeschlossen werden kann oder ob […] die im 4. Jahrhundert angesiedelten Germanen zu Trägern der Romanität wurden“ (Konrad 2019, 262 f.).

Außerdem tauchen schon in der späten Kaiserzeit im direkten Umfeld der Landgüter (villae) „weilerartige Kleinsiedlungen“ auf:

„Dieser neue Typ der spätantiken Kleinsiedlung, den wir archäologisch gut in der Raetia II greifen können, stellt möglicherweise ein bedeutendes ‚missing link‘ zwischen Römer und Völkerwanderungszeit dar“ (Konrad 2019, 289)

Natürlich sind regionale Unterschiede speziell zwischen dem Dekumatland nach der Aufgabe des obergermanischen Limes und den anderen Gebieten archäologisch greifbar, aber die im vorletzten Zitat aufgeworfenen Fragen gelten grundsätzlich für die gesamte heute niederländisch- und deutschsprachige (germanophone) Romania Submersa. Jedenfalls muss man angesichts dieser Befunde die Vorstellung eines dauerhaften Nebeneinanders von zwei sich alternativ gegenüberstehenden, scharf unterscheidbaren und womöglich homogenen «Ethnien», einer romanischen und einer germanischen, endgültig ad acta legen.6Genau von dieser historischen Leitvorstellung wird – leider -noch die jüngst erschienene Publikation von (Wiesinger/Greule 2019) getragen.

Jedenfalls sind diese archäologisch fundierten Konstellationen ideale Voraussetzungen für die Entstehung mehrsprachiger Gruppen, die je nach sozialer Organisation und Hierarchie  sowohl mit germanischem wie mit römischen Hintergrund  gleichermaßen plausibel sind. Diese Phase der Zweisprachigkeit und spätantik-frühmittelalterlichen Kontinuität drückt sich in geradezu emblematischer Weise in den Weil-Namen  und in der appellativischen Bezeichnung aus, die für den neuen Typ von Kleinsiedlung geprägt wurde und die wiederum zu einer produktiven Basis für die Bildung von Toponymen wurde; die Rede ist von deu. Weiler, das auf eine lat.-rom. Adjektivableitung von  villa mit dem Suffix –āris zurückgeht (vgl. Georges 1913 [1998], s.v. villāris und REW 9332).7Brigitte Bulitta danke ich für den Hinweis, dass ahd. uuilarin (Dativ Plural) erstmals als Glossierung von lat. uuilulis  (Dativ Plural des Diminutiv villula, zu villa) in einer im Rhein-Main-Gebiet entstandenen Handschrift des 9. Jahrhunderts belegt ist (Vatikanische Bibliothek  Ottob. lat. 3295, BStK 792) ; vgl. Mayer 1982, 32. Das Suffix bezeichnet Zugehörigkeit und passt damit semantisch genau zu den Siedlungen, die einer villa räumlich und vielleicht auch funktional zugehörten, ohne mit ihr identisch zu sein. Die Verbreitung dieses Typs in den romanischen Sprachen, die ganz überwiegend in Toponymen und einigen lokalen Varianten (von Nordspanien bis in die Westschweiz und das westliche Piemont) besteht, weist eindeutig nach Westen und damit historisch gesehen ins Merowinger Reich; die Position von Irmtraut Heitmeier 2019 wird also klar bestätigt. Auch der Kommentar des FEW geht bereits in diese Richtung:

„Im gebiet des merowingischen reiches, soweit es von Franken und Alamannnen besiedelt war, ist es in grossem masstab [sic] zur bildung von ortsnamen verwendet worden während der ausbauzeit (7.-9. jh.), zum teil ist es auch an die stelle des fränk. suffixes -ingas getreten“ (FEW en ligne, s.v. vīllaris).

Allerdings ist der Passus zu präzisieren, denn es ist nicht plausibel, diesen lateinisch-romanischen Typ ausgerechnet auf die Franken und Alamannen der „ausbauzeit“ zurückzuführen; entscheidende Voraussetzung kann nur eine von den Archäologen diskutierte „gezielte[…], von Rom gesteuerte[…] Ansiedlungspolitik innerhalb und vor den spätantiken Grenzen“ (Konrad 2019, 288)8Relevante Grabungs- und Fundorte sind: in Bayern Unterhaching, Aschheim, Bergkirchen, Nassenfels, Pförring sowei Wyhl am Kaiserstuhl und Schleitheim-Hebsack am Hochrhein (vgl. Konrad 2019, 288. gewesen sein. Der merowingische Ausbau steht – mit anderen Worten – in spätantiker Kontinuität. Die von Bernd Päffgen gestellte Frage nach einem kontinuierlichen Weg „[v]on der römischen Villa zum fühmittelalterlichen Dorf?“ findet somit in der Wortgeschichte von deu. Weiler < lat. villāris eine positive sprachgeschichtliche Antwort.   

3.2. Über andere Dörfer und lat. vicus

Ebenfalls charakterisch für die Toponomastik der heute deutschsprachigen Romania Submersa sind die Ortsnamen mit der Basis Weichs (und den zugehörigen Varianten Wiechs,Weiß,Weis, Visse und u.U. Wies), die im Detail ebenfalls von Irmtraut Heitmeier (2019, 593-600) beschrieben werden. Die folgende Karte übernimmt die dort genannten Belege (vgl. Heitmeier 2019, 595, Abb. 2, 2a) und ergänzt sie um den Mainzer Stadtteilnamen Weisenau.

Ortsnamen auf der Basis von lat. vicus ‘Dorf’ in der deutschsprachigen Romania Submersa

Zur Wortgeschichte heißt es:

„Es handelt sich um Namen, die das im Althochdeutschen bereits nicht mehr belegte *wihs ‘Dorf’  enthalten, das in gotisch weihs ‘Dorf, Flecken’ eine Entsprechung besitzt […]. Das Wort ist urverwandt mit lat. vicus, kann jedoch nicht direkt von diesem abgeleitet werden, weil bei Entlehnung aus dem Lateinischen das Endungs-s geschwunden wäre.“  (Heitmeier 2019)

Vor dem Hintergrund der romanischen Verhältnisse sollte man jedoch Kontinuität analog zu Weil < villa nicht ausschließen und Fortsetzung von lat. vīcus in Betracht ziehen. Ein erstes Indiz ist gerade das auslautende –s:  Denn im Fall der Graubündner Orte, die sowohl einen romanischen wie deutschen Namen haben, zeichnet sich die deutsche Variante durch ein –s aus, das ähnlich wie im Altfranzösischen als Relikt eines bündnerromanischen Nominativ –s  plausibel interpretiert werden kann. Im neueren Romanischen ist der ehemahlige Subjektkasus mitsamt auslautendem –s bis auf wenige formale Reste geschwunden (vgl. Stimm/Linder 1989a, 767). Hier einige Beispiele

bündnerromanisch deutsch
Tschlin Schleins
Scuol Schuls
Tumein Tamins
Vetten Vättis
Trun Truns
Trin Trins
Breil Brigels
Flem Flims
Graubündner Ortsnamendubletten mit -s in den deutschen Varianten

Weiterhin ist eine Kognate von lateinisch vicus in manchen bündnerromanischen Dialekten als Appellativ erhalten (rom. vitg  ‘Dorf’; vgl.  AIS , Karte  817, IL VILLAGGIO, Punkte 1, 10, 11, 13); die deutsche Entsprechung des bündnerromanischen Ortsnamen Sumvitg (Audio-Datei / Hörbeispiel [ˈsʊmvit͡ɕ]) ‘oberstes Dorf’ ist Somvix, was ebenfalls auf ein -s schließen lässt. Über Graubünden hinaus ist der Typ vicus, abgesehen von Rumänien, in der gesamten Romania als Toponym belegt, ohne dass sich ein spezifischer Regionalbezug erkennen ließe.

Einige romanische Toponyme auf der Basis von lat. vicus

3.3. Hybride tautologische Ortsnamen

Charakteristisch für Regionen, in denen sich ein Sprachwechsel vollzogen hat, sind hybride Namen mit einer Konstituente der verdrängenden Sprache, die als mehr oder weniger tautologische Übersetzung einer zweiten Konstituente aus der verdrängten Substratsprache anzusehen ist. Wenn man die substratale Erklärung von Weichs/Weis usw. (< lat. vicus) akzeptiert, gehören dazu die Formen Weichshofen, Weichsham (4 mal) und Weisenheim (-ham ist eine Variante von -heim); gerade diese Namen sind bei Ableitung der ersten Konstituente aus einem germanischen *wīhs nicht sehr plausibel. Ganz eindeutige Beispiele sind  z.B. der Flurname Mottabühl im vorarlbergischen Ort Tschagguns (< vorröm. motta  ‘Hügel’ + alem. -bühl  ‘Hügel’) oder die Gewässernamen Flaumbach bei Cochem an der Mosel oder Flumbach im Kanton Solothurn (< lat. flumen ‘Bach’ + deu. -bach).

Allerdings ist im Hinblick auf die Siedlungsnamen eine detaillierte historische Analyse unabdingbar, wie Heitmeier 2019 in der bereits genannten Arbeit ganz überzeugend herausarbeitet. So sind die oben bereits erwähnten  Komposita  mit der Basis Weil (< lat. villa[m] ‘Landgut’ ) wie Weilheim in Oberbayern und Weildorf in Oberbayern und Württemberg einerseits im Sinne der „Fortführung bestehender Strukturen“ (Heitmeier 2019, 577) zu sehen; jedoch geben sie andererseits

„Hinweise auf eine planvolle Raumerfassung im Bereich des frühen bairischen Herzogtums […], die aber auch Aussagen über Phänomene des Übergangs von spätantiken zu frühbairischen Verhältnissen ermöglichen“  (Heitmeier 2019, 577).

Die Konstituenten -heim und -dorf sollten daher nicht als schlicht synonyme Übersetzungen angesehen werden, sondern als differenzierte Spezifikation der jeweiligen villa in der Organisation des frühmittelalterlichen Gemeinwesens. Explizit wird diese Spezifikation im Namen Weil der Stadt  in Württemberg.

Hybride und (aus neuzeitlicher Sicht) tautologische Namen: Toponyme mit Weil (< lat. villa[m] ‘Landgut’), Topoynme mit Weichs/Weis etc. (< lat. vicus ‘Dorf’) , (Motta ( vorröm. ‘Hügel)’, Hydronym mit Flaum/Flum (< lat. flumen ‘Fluss’)

3.4. Ersatz substrataler Namen

Es gibt jedoch noch andere historische Filiationen, denn proprietäre Eigennamen substrataler Herkunft können durch Appellative der verdrängenden Sprache ersetzt werden:

  ersetzt Nomen appellativum herrschende Sprache
Nomen proprium
     
Nomen appellativum     Substratsprache
Ersatz proprietärer substrataler Eigennamen (Relikte) durch generische Eigennamen

Ein solcher Ersatz setzt Ähnlichkeit zwischen dem ersetzten und dem ersetzenden Namen voraus; falls es sich um phonetische Ähnlichkeit handelt, spricht man von Volksetymologie. Falls die Ähnlichkeit semantisch basiert ist, haben wir es mit einer Übersetzung zu tun. Beide Prozesse sind historisch durchaus zu unterscheiden, denn die Übersetzung setzt semantisches Verständnis des Relikts und daher Zweisprachigkeit voraus. Aber durch eine Übersetzungen wird die übersetzte Form nicht zwangsläufig ersetzt;

Generische Ersatznamen sind auf den ersten Blick vollkommen unauffällig, da sie dem appellativen Lexikon entsprechen und deshalb sehr schwer zu erfassen. Es bedarf eines begründeten ‘Verdachts’, um sie – gegen die formale Evidenz – aus einer anderen Sprache zu erklären.

3.5. Ein lokales vorrömisch-römisch-bajuwarisches Szenario im Rofan (Nordtirol)

Entsprechende Vermutungen ergeben sich nun in quasi selbstverständlicher Weise aus sprachexternen Daten, die durch die Archäologie oder die Geschichtswissenschaft geliefert werden und so aufschlussreiche Kontextualisierungen im Sinne einer grundsätzlichen Plausibilität erlauben.9Zu den sehr unterschiedlichen Plausibilitätsgraden substrataler Erklärungen (vgl. Krefeld 2020b). Grundlegend für Substraterklärungen sind vor allem Informationen über die kontinuierliche Nutzung der entsprechenden Orte, das heißt: über die Nutzung  durch Angehörige unterschiedlicher Sprachgemeinschaften. Die systematische Verknüpfung solcher Daten mit Sprachdaten, z.B. mit Ortsnamen, gehört deshalb zu den nützlichen Optionen und Perspektiven webbasierter Sprachgeschichtsschreibung.

Ein toponomastisches Exempel soll im Folgenden durchgespielt werden; sein archäologischer Ausgangspunkt ist ist der Krahnsattel im Tiroler Rofangebirge, wenig östlich des Achensees. An diesem verkehrstechnisch auf den ersten Blick eher unscheinbaren Übergang (in ca. 2000 m. Höhe) wurde unter einem großen Block, dem sogenannten Hexenfels, ein Felsdach-Abri entdeckt:

„Hier wurde 2009 bis 2011 von der Universität Innsbruck gegraben. Die Funde zeigten eine in Tirol noch nie da gewesene Siedlungskontinuität10Vgl. dazu: (vgl. Bachnetzer/Nutz 2010, 35: „Diese Fläche wurde laut Zeitzeugenberichten bis in die 1950er Jahre von Hirten als Melkplatz genutzt.“ von der Mittelsteinzeit über die Bronzezeit und Eisenzeit bis in die neueste Zeit“ (Weishäupl 2019, 10; vgl. zu den Grabungen auch Staudt/Bachnetzer/Posch/Leitner 2011a und Bachnetzer o.J.).

Diese besondere archäologische Bedeutung dieses Fundortes lässt sich wie folgt beschreiben:

„Während die Nutzung eines Felssturzblockes im Hochgebirge als Lagerplatz im Mesolithikum Tirols nicht ungewöhnlich ist, einen guten Vergleich bietet der auf 2.050 m Seehöhe gelegene „Hohle Stein“ bei Vent im hinteren Ötztal, sowie mehrere FundsteIlen in Südtirol (z.B. der „Cionstoan“ auf der Seiser Alm mit 1.855 m Seehöhe und der „Sass del Moro“ auf dem Plan de Frea auf 1.903 m Seehöhe), ist dies bislang die einzig bekannte, wenn auch nur saisonal genutzte, eisenzeitliche Siedlungsstelle auf dieser Meereshöhe.“ (Bachnetzer/Nutz 2010, 37)

In unmittelbarer Nachbarschaft  finden sich die (bislang) nördlichste der sogenannten ‘rätische’ Inschriften, nämlich am Schneidjoch, sowie römische Inschriften in Rottach-Egern, das einige Kilometer nördlich des Achenpasses liegt. Schließlich liefert der nördliche Zugang zum Achensee-Rofan-Gebiet einen mittelalterlichen Hinweis auf römisch-romanische Restbevölkerung in Gestalt des Bachnamens Walchen, mit dem der nördliche Abfluss des Achensees bezeichnet wird (in der österreichischen Kartographie heißt der Bach Seeache).

Krahnsattel, mit Siedlungskontinuität Mittelsteinzeit → Neueste Zeit
Rätische Inschrift
Römische Inschrift
BachnameWalchen

Es lässt sich über diesen lokalen Befund hinaus eine grundsätzliche und kaum zufällige Nachbarschaft der rätischen Inschriften, der römischen Inschriften und römischen Infrastruktur sowie der identifizierenden Fremdbezeichnung der Römer/Romanen nach dem Zusammenbruch des Imperiums konstatieren, wie aus einer  synoptischen Kartierung  der Fundorte und Namen hervorgeht. Daraus muss man schließen, dass die transalpinen Verkehrswege, die von den Römern ausgebaut wurden, bereits den Wegen entsprachen, über die sich das eigentlich etruskische und ursprünglich westgriechische ‘rätische’ Alphabet nach Norden verbreitet hatte; das sind die Brenner- und Reschenpassroute und – wie es scheint – eben auch die Achensee- bzw. Krahnsattel/Achenpassstrecke; man beachte die römischen Inschriften in Rottach-Egern, die zu dieser Hypothese passen.

3.5.1. Substratale toponymische Reflexe

Angesichts der Nutzungskontinuität liegt es nun nahe, nach korrespondierender Namenkontinuität zu fragen. Leitendes Prinzip bei der Vermutung vorbairischer Herkunft in der Romania submersa alpina muss die Orientierung an der aktuellen Toponymie des romanischsprachigen Alpenraums sein; zwei sehr nützliches Hilfsmittel sind dabei das noch nicht vollendete schweizerische Portal Ortsnamen.ch sowie der ebenfalls im Aufbau befindliche DTT.

3.5.1.1. Krahnsattel

Einen ersten Hinweis auf die onomastische Ergiebigkeit der archäologischen Fundstelle gibt bereits die Ortsbezeichnung, nämlich Krahnsattel. Vorderhand mag man mit diesem Namen den Typ deu. Krähe, bair.  Krâ, Krâen (in der Schreibung von Schmeller 1872b, 1357), assoziieren; so ist Bezeichnung im Wissen der deutsch- bzw. bairischsprachigen Sprecher auch durchaus gut motiviert zumal die Bezeichnung des Vogels KRÄHE ja eindeutig Flur-, Gewässer- und Bergnamen zugrunde liegt  und zwar im deutsch- wie romanischsprachigen Alpengebiet (vgl. Ortsnamen.ch, s.v. corv, corvatsch; DTT s.v. corvo sowie den bair. Bergnamen Krähe im Ammergebirge).11Abwegig ist es dagegen einen Zusammenhang mit deu. Kranich anzunehmen, da dieser Vogel im Alpenraum nicht vorkommt (vgl. das Verbreitungsgebiet). Diese semantische Verknüpfung  mit der jeweils aktuell geltenden Sprache sagt jedoch a priori nichts über den historischen Ursprung der jeweiligen Namen, der durchaus viel älter und in einem vordeutschen Substrat verortet sein kann; es kann sich mit anderen Worten um eine volksetymologische Remotivation  handeln.

In der Tat lässt sich dieser Typ Krahn- leicht aus dem vorrömischen (gallischen?) *crana, einer Nebenform von *crina (aus dem Verb *crĭnare ‘spalten’) ableiten (vgl. Schorta 1964, 111 und FEW, s.v. *crĭnare). Zahlreiche entsprechende Toponyme sind in der Schweiz  belegt; vgl. Ortsnamen.ch s.v. cran (23 Treffer), crana (20 Treffer), crans (28 Treffer), cranel (1 Treffer). Für das Trentino nennt der (DTT)  die ebenfalls hierher gehörigen Toponyme crèna als Bezeichnung einer tiefen, senkrechten Spalte und cren für ein Stück Brachland.

In unmittelbarer Nähe des Krahnsattels finden sich nun andere Toponyme, die sich ohne große interpretatorische Anstrengung aus dem Lateinisch-Romanischen erklären lassen; eine Auswahl wird im Folgenden vorgestellt.

3.5.1.2. Martlspitze

Der Bergname Martlspitze wird als hybrides Kompositum gedeutet (< lat. martellum ‘Hammer’ + deu. Spitze ((vgl. Schorta 1964, 199)); analoge metaphorische Flurnamen auf der Grundlage der Bezeichnung für das Werkzeug HAMMER sind im romanischsprachigen Alpenraum bekannt. Man vergleiche die Belege in Ortsnamen.ch, s.v. martel, martell, martello, unter denen sich auch der Name eines Gipfels findet (Piz Martèl in Graubünden). Ganz ähnlich präsentiert sich das Trentino: nach Ausweis von DTT, s.v. martello, gibt es mehrere Varianten wie martel, martelo u.a., unter woederum der Name eines Gipfels  ist (Pónta Martèl).

3.5.1.3. Alpiglalm

Der Almname ist offensichtlich hybrid, denn die erste Konstituente, Alpigl-, scheint auf einen Diminuitiv von lat. alpes + -icula, zurückzugehen; romanische Entsprechungen bezeugt Ortsnamen.ch, s.v. arpiglia (im Engadin für einen Gipfel, eine Alm, ein Tal und den zugehörigen Bach)  bzw. mit einer zweiten Diminutivendung s.v. arpigliettas oder mit einem anderen Diminutiv s.v. arpschella. Man beachte dass für die Konzepte ALM, ALMHÜTTE im Alpenraum u.a. die beiden phonetischenVarianten Alp(e) und Alm koexistieren, wie diese Karte zeigt.

3.5.1.4. Dalfazalm

Der Name einer anderen Alm, Dalfazalm, wurde schon im Zusammenhang mit den Stubaier Ortsnamen erwähnt Kap. .

3.5.1.5. Rofan

Weiterhin ist offenkundig, dass auch  der Name des gesamten Gebirgsmassivs, deu. Rofan, auf  eine Entlehnung aus dem Lateinisch-Romanischen zurückgeht. Die Basis hat sich im Bündnerrom. auch als Appellativ erhalten:

rieven m, Rain m, Wiesenrain m, Böschung f, Bord n; sils rovens, auf den Böschungen; per rovens e runtgas, querfeldein, über Stock und Stein. [vorrom. *rovinu (zu *rova ‘Erdschlipf‘), eng. röven]“ (Decurtins o.J.).

Entsprechende Ortsnamen geben Ortsnamen.ch, s.v. rofna (42 Treffer), , rieven (67 Treffer), roven, und DTT, s.v. róven (2 Treffer). Im Trentino dominiert der bedeutungsgleiche Typ rovína (28 Treffer), mit Akzent auf der vorletzten Silbe. Das Verhältnis beider Akzentuierungstypen ist unklar.

3.5.1.6. Bradl

Aus dem Inntal, in dem lateinisch-romanische Relikte massiv vertreten sind (vgl. grundlegend (Heitmeier 2005), soll nur dieser besonders nahe gelegene Ort genannt werden, dessen Name wohl auf eine Derivation von lat. pratum ‘Wiese’ zurückgeht. In Frage kommen roman. *pradália ‘Wiesengelände’ (so Anreiter 2018, 3 im Hinblick auf Pradl und Prédele) oder der Diminutiv pratellum, der in trentinischen und schweizerischen Ortsnamen sehr stark belegt ist (vgl. DTT, s.v. pradèl [41 Treffer] und s.v. pradel[lo]).

3.5.1.7. Maurach

In einen eigenartigen Zwischenbereich führen nun die Namen,  die zwar deu. Appellative und Formative (spezielle Endungen) erkennen lassen, die jedoch ihrerseits auf lateinisch-romanische Appellative bzw. Formative zurückgehen. Hier kommen grundsätzlich sowohl die substratale Weiterführung eines lokalen Namens mit generischer Basis wie auch die Neubezeichnung mit bereits integrierten deutschen Appellativen und/oder Suffixen, die womöglich andernorts entlehnt wurden in Frage. Das Problem soll ausgehend vom Namen Maurach skizziert werden, für den der Dienst OSM über den Ort am Achensee hinaus mehrere Belege liefert; da sie alle in der süddeutschen und österreichischen Romania Submersa lokalisiert sind, liegt die Annahme direkter substrataler Entlehnung nahe. Die folgende Karte visualisiert ihre Verbreitung:

Referenzen des Ortsnamens Maurach: DORF , WEILER/BAUERNHOF , FLUR , BACH , GIPFEL

Die Konstituente Maur-

Der Ursprung der Basis (< lat.-rom. muru[m]) ist vollkommen unproblematisch; unklar ist der Umweg über das Ahd. bzw. Altbair. (vgl. AWB, s.v. maure). Es muss allerdings gleich festgehalten werden, dass Ortsnamen auf dieser lexikalischen Basis im romanischen Alpenraum außerordentlich zahlreich sind; so dokumentiert Ortsnamen.ch die folgenden phonetischen Varianten:

Variante Treffer 
mur 167
muragl 
20
mür 50
meir 5
mir 21
Bündnerromanische Ortsnamen auf der Basis von lat. muru(m)

Weniger massiv, aber ebenfalls deutlich sind die Belege im Trentino (vgl. DTT, s.v. muro).

Die Konstituente –ach

Im Unterschied zur ersten Konstituente  fällt es schwer, hier nur einen einzigen etymologischen Typ anzunehmen. Dagegen sprechen vor allem die  unterschiedlichen Referentenklassen, die Maurach bezeichnet:

Referentenklassen Anzahl
BAUERNHOF/WEILER/DORF 7
FLUR 1
BACH 1
GIPFEL 1
Referenz des Ortsnamens Maurach

Da der Name nur in einem Fall auf ein GEWÄSSER referiert, scheidet ahd. „aha […], oberd. dial. ach(e)“ (AWB, s.v. aha; vgl.  Kap. ) als Generalerklärung ebenso aus, wie das lat. Etymon aqua[m]; diese beiden Lösungen kommen allenfalls für den Bachnamen in Frage. In den anderen Fällen bietet sich eher eine Ableitung von muru[m] mit dem Suffix -aceu[m] an; entsprechende Ortsnamen liefern Ortsnamen.ch, s.v. muratsch, murascio, und DTT, s.v. murazzo (11 Treffer mit unterschiedlichen phonetischen Varianten).

3.5.1.8. Ache

Einen besonderen Kommentar erfordert das bereits mehrfach beiläufig erwähnte Ache; diese Basis ist in der näheren Umgebung des Krahnsattel gleich zweimal belegt und in beiden Fällen in Verbindung mit See. Dabei motivieren sich beide Namen, besser gesagt: die Referenten beider Namen gegenseitig: 

  • Ache als Spezifikator der Basis See in Achensee;
  • Ache als Basis mit dem Spezifikator See in Seeache, der österreichischen Bezeichnung des nördlichen Abflusses des Achensees (auf deu. Gebiet trägt dieser Fluss – wie oben gesagt – den Namen Seewalchen):

Das Wort ist als selbstständige Basis von Flussnamen charakteristisch für die deutschsprachige Romania Submersa:

Ache/Aach als Basis von Flussnamen (ohne Berücksichtigung der Endung -ach)

Das Wort ist im Ahd. noch als Appellativ bezeugt, dann jedoch zu einer regional sehr häufigen, nicht mehr betonbaren  Endung (-ach) geworden; diese Entwicklung skizziert das Appenzeller Namenbuch:

„AACH zu ahd. aha, mhd. ache stf. ‘Fluss, Wasser, Bach, Strömung’. Das Wort wird seit mittelhochdeutscher Zeit generisch nur noch dialektal verwendet; es ist jedoch in Namen (Flur-, Orts- und Gewässernamen) tausendfach belegt. Formen ohne auslautendes –ch beruhen darauf, dass seit dem Mhd. intervokalisches h zum Hauchlaut wurde und einer Kontraktion des ersten und zweiten a Vorschub leisten konnte. Zur Lautentwicklung aha > ach, –aach vgl. Sonderegger BSM8 377. Das Wort ist mhd. bereits stark im Rückgang begriffen und wird durch bach ersetzt. Zuvor war es die wichtigste deutsche Bezeichnung für fliessende Gewässer (vgl. TNB2.1 67).“ (Appenzeller Namenbuch in: ortsnamen.ch)

Es ist jedoch im Fall der Endung -ach auch mit anderen Etyma zu rechen (lat. -acu[m]12Eindeutig ist Andernach < gallolat. Antunnacu[m] und womöglich auch -aceu[m]). Auch der üblicherweise vorgebrachten Etymologie sollte man mit Skepsis begegnen:  In  Kluge/Seebold 2011 wird eine westindogermanische Wurzel als Etymon bemüht:

„Ache
Sf
 ‛Wasserlauf’ per. arch. (8. Jh.), mhd. acheahd. ahaas. aha
Aus g. *ahwō f. ‛Wasserlauf’, auch in afr. ā, ēae. ēa­anord. á, o̧gt. aƕa; dieses aus ig. (weur.*ak w ā (oder eher *ək w ā) ‛Wasser, fließendes Wasser’, auch in l. aqua. Vielleicht hierzu als Denominative: heth. ekuzi ‛bekommt Wasser, trinkt’, toch. Archiv für Begriffsgeschichte yok- ‛trinken’. Das Wort ist seit mittelhochdeutscher Zeit nur noch mundartlich und (häufig) in Namen bezeugt, gelegentlich wiederbelebt“ (Kluge/Seebold 2011, online Ausgabe, o.S.)

Wie meistens orientieren sich Kluge/Seebold hier am Standardddeutschen und marginalisieren die wortgeschichtliche Bedeutung der dialektalen Verhältnisse. Rückt man jedoch die dialektale Verwendung als Hydronym in den Vordergrund, ergibt sich ein Bild, das an substratale Entlehnung von lat.-rom. aqua[m] denken lässt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Konsonatenverbindung –kw– in der Galloromania und in der nördlichen Italoromania alternativ aufgelöst wird (vgl. zu den Formen NavigAIS, Karte  1037 und (???), Karte 431): im Nordosten Italiens (grosso modo vom Trentino bis Friaul) und im Okzitanischen bleibt nur der velare Verschluss erhalten (also Varianten wie aka, aga, ega, aiga usw.), im Bündnerrom., im Frankoprovenzalischen und Nordfranzösischen dagegen – wenn überhaupt ein konsonantisches Element – nur der palatale Frikativ (also Varianten wie ov, of, aw, ive usw. ); allerdings sind auch in Nordfrankreich Ableitungen von aqua, z.B. Kognaten von aquarius mit -g-  erhalten (vgl. die Belege des Typs aiguière in FEW en ligne, s.v. aquarius), die laut FEW auch früh ins Niederländische und Niederdeutsche entlehnt wurden; auch die Etymologie des Stadtnamens Aachen (< lat. aquae, oder < dem Ablativ Plural aquis) setzt diese Reduktion der Verbindung –kw– voraus. Kognaten von lat. aqua zählen in der romanischsprachigen Schweiz zu den häufigsten Ortsnamen überhaupt (vgl. Ortsnamen.ch, s.v. ova [160 Treffer], aua [191 Treffer]; zahlreiche Belege liefert ebenfalls der (DTT), s.v. aca, aga, ega). Deutsch Ache lässt sich in historisch plausibler Weise an die romanischen Formen mit –k– und –g– anschließen. Man sollte also – mit anderen Worten – den Gewässernamen Ache nicht aus dem Germanischen erklären, sondern in seinem Verbreitungsraum die Entlehnung des germanischen Typs vermuten.

3.5.2. Straß

Analoge Überlegungen wie zu Ache lassen sich übrigens in Bezug auf Ortsnamen mit der Basis Straße/Strass/Strad und den  Appellativ deu. Straße (< lat. strata) anstellen, der übrigens auch in der Nähe des Rofan, nämlich am Ausgang des Zillertals belegt ist. Diese Gruppe von Namen ist wiederum in der Romania Submersa  lokalisiert; man hat geradezu den Eindruck, der Namenstyp referiere nicht auf einen irgendeinen Verkehrsweg, sondern grundsätzlich auf eine Römerstraße:

Ortsname Straß , Strad , Straßlach , Straßwalchen , Steinstraß

3.5.3. Synopse

Einige vordeutsche Namen im Rofan (< lat. rovina) und unmittelbarer Umgebung (Maurach – Brixlegg = 5 km Luftlinie)
Krahn(sattel) (< vorröm. *crana ‘Lücke, Spalte’)
♦Dalfaz(alm) (< *telva)
Martl(spitze) (< lat. martellu[m] ‘Hammer’) 
Alpigl(alm) (< lat. alpicula[m] ‘kleine Alm’)
Bradl (< lat. pratellu[m] ‘kleine Wiese’)
Maurach
(< lat. muru[m] ‘Mauer’ +  < lat. -aceu[m]) 
Strass (< lat. strata)

4. Eine monostratale Namenlandschaft: La Réunion

Namen sind jedoch nicht nur wegen ihrer ausgeprägten, mehrfache Sprachwechsel überdauernden historischen Resilienz bemerkenswert; gerade die generischen Namen dokumentieren ja auch die semiotische Aneignung eines Raums: durch Namengebung wird ein Raum kommunikativ verfügbar. Namen legen ein leicht identifizierbares Netz über den Raum und erleichtern substantiell die Orientierung; sie tragen also ganz erheblich zur Überführung natürlicher Räume in soziale Räume bei. Mit welchen lexikalisch-semantischen Kategorien diese toponymische Erschließung erfolgt, lässt sich in besonders transparenter Weise gerade dort beobachten, wo Substrate fehlen, wo – mit anderen Worten – monostratale Verhältnisse gegeben sind. Überschaubare Gebiete für Fallstudien sind jedoch nicht leicht zu finden; eine geradezu ideale Konstellation bietet daher das französische département d’outre-mer La Réunion im Indischen Ozean, denn diese Insel war vor der Kolonialisierung durch die Franzosen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht dauerhaft besiedelt (geschichtlicher Überblick). Da es also kein sprachliches Substrat gibt, darf man davon ausgehen, dass sich die originäre Namengebung weithin erhalten hat. Allerdings hat sich auf La Réunion auf der Basis des Französischen eine Kreolsprache entwickelt, die neben dem Französischen vor allem in der Mündlichkeit von vielen Einwohner verwendet wird13Vgl. Glottolog (link), OLAC, Staudacher-Valliamée 2001, Staudacher-Valliamé 2004; die Namen sind dagegen schriftlich dokumentiert; es ist deshalb damit zu rechnen, dass es sich häufig nicht um genuin französische, sondern um dekreolisierte Formen handelt; mache Namentypen, z.B. der Typ Nomen + Nomen ohne präpositionalen Anschluss (z.B. Trou Fanfaron), sind jedoch als kreolisch anzusehen. 

Datengrundlage dieses Kapitels sind alle Orts- und Gewässernamen von La Réunion, die am 15.10.2019 im Geoinformationsdienst OpenStreetMap – Deutschland (OSM)  verfügbar waren; sie wurden von Stephan Lücke exportiert und in einer MySQL-Datenbank strukturiert (Lücke 2020)14Die Datenbank war auch Grundlage eines Hauptseminars an der LMU; den Teilnehmerinnen (Julia Baldauf, Selena Murgas, Selina Martin, Agata Walkowska) danke ich für Anregungen und Hinweise..

Zunächst kann erwartungsgemäß festgestellt werden, dass proprietäre Orts- und Gewässernamen äußerst selten sind. Immerhin taucht der Typ bei der Bezeichnungen der drei großen Talkessel vulkanischen Ursprungsmitsamt der zugehörigen politischen Gemeinden auf, die das Innere der Insel dominieren; die drei Namen gehen vermutlich auf madegassische Appellative zurück, da die drei sehr unzugänglichen Kessel entlaufenen  Sklaven (fra. marrons) madegassischen Ursprungs als Fluchtort dienten:

Drei proprietäre Ortsnamen: Mafate (), Salazie (), Cilaos ()

Ganz vorherrschend sind in den unterschiedlichen Namenskategorien (SIEDLUNG, BERG, FLUSS u.a.) also komplexe Namen aus zwei oder mehreren Konstituenten, deren Basis meistens explizit angibt, was bezeichnet wird und deren zweite Konstituente die Basis spezifiziert. Syntaktisch gesehen bildet die Basis den Kopf eines Nominalausdrucks und regiert einen oder mehrere Modifikatoren, die aus weiteren Nomina, Präpositionalgruppen und/oder Adjektiven bestehen können; die asyndetische (präpositionslose) Verbindung von Nomina entspricht, wie gesagt, der Kreolsyntax :

Spezifikator/
Modifikator
Basis/Kopf   Spezifikator/
Modifikator
Adjektiv Nomen Präp. Nomen (Nomen)
  rivière   Sainte-Anne
  rivière des galets
grande rivière   Saint-Jean

4.1. SIEDLUNGEN

Unter den Bezeichnungen der Siedlungen fallen auf Grund ihrer Frequenz vor allem drei Typen auf, die mit Saint(e), Lotissement und Îlet gebildet werden; die sogenannten Patrozinien auf der Basis von Heiligennamen bilden insofern eine Ausnahme, als sie die Kategorie SIEDLUNG nicht explizit bezeichnen, sondern nur implizit ausdrücken. Dieser Typ ist in der gesamten Frankophonie wie auch sonst in traditionell christlichen, insbesondere katholischen und orthodoxen Regionen sehr weit verbreitet. Man beachte, dass die Saint(e)-Namen auf La Réunion eine sehr charakteristischer Verteilung aufweisen: Sie liegen allesamt direkt an der Küste oder allenfalls in Küstennähe und entsprechen wohl den alten Siedlungskernen

Eine ganz ähnliches Verteilungsmuster zeigen die Lotissement-Namen; nach Auskunft des TLFi ist lotissement ein Neologismus aus der Mitte des 20 Jahrhunderts, der ausschließlich systematisch erschlossene Neubausiedlungen bezeichnet; wie man sieht, lagern sich diese offenkundig neuen Wohngebiete direkt an die bereits seit längerem  bestehenden Orte an.

Ein vollkommen anderes Raumbild liefert im Gegensatz dazu der Typ îlet; wenn man stark in die Karte hineinzoomt, zeigt sich dass mit dem Ausdruck in der Regel kleine, wenn nicht winzige Siedlungen benannt werden. Eigentlich bezeichnet îlet allerdings eine spezielle, für La Réunion ganz charakteristische Geländeformation bezeichnet, nämlich ein     

„[p]etit plateau, parfois suspendu à plusieurs centaines de mètres au-dessus des ravines.“  (BDLP, s.v. îlet)

Diese Stellen (vgl.  Photo) dienen als Anbaufläche von landwirtschaftlichen Produkten und auch als schwer zugänglicher und daher sicherer Wohnort genutzt; beide Funktionen kommen in den Spezifikatoren Namen gelegentlich explizit zum Ausdruck, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • Îlet à Cordes, da der Zugang mit Seilen erleichtert und gesichert wurde (),
  • Îlet des Orangers, Îlet des Bananiers.

In lexikologischer Hinsicht ist zwischen formalen und semantischen Aspekten zu unterscheiden; formal gesehen handelt es sich um einen Diminutiv von île ‘Insel’ (< lat. insula[m]; vgl. Georges 1913 [1998], s.v. insula), der im FEW en ligne belegt ist; die fem. Variante, îlette, scheint jedoch häufiger zu sein. Die maskuline Variante ist nach Maßgabe der FEW-Belege typisch normannisch (seit Wace 1155 belegt); speziell werden Hinweise auf Le Havre,  Pont-Audemer und die Kanalinsel Jersey gegeben:  

Das Wort fehlt in Furetière 1690, der für das Kolonialfranzösisch von besonderem Interesse ist. Im TLFi taucht es nicht als eigenes Lemma auf; îlet wird dort, ohne Hinweis auf die spezielle Bedeutung, nur als Ableitung von île erwähnt. Allerdings ist die spezifische Bedeutung von La Réunion bereits im Bedeutungshorizont des Grundworts île angelegt; so erwähnt der  (TLFi) u.a. seine Verwendung im Sinne von:

 „Lieu, espace délimité permettant l’isolement, et pouvant servir de refuge.“  (TLFi, s.v. île)

Die folgende Karte zeigt die Patrozinien sowie die Typen lotissement und îlet in synoptischer Verbindung:

Legende: Ortsnamen auf La Réunion mit den Basen  saint(e) ,   ilet , lotissement  

4.2. BERGE

Die Berge werden in der Regel auf der Basis von piton, gelegentlich auch von morne benannt; in Frankreich sind beide Bezeichnungen dagegen – ähnlich wie îlet –  eher schwach belegt.

Morne, das bei Furetière 1690 fehlt, wird bereits in der Encyclopédie von Diderot/d'Alembert 2017 als ein typisches Kolonialwort der Antillen präsentiert:

Mornes, s. m. (Géog.) c’est ainsi qu’on appelle dans les îles françoises d e l’Amérique les montagnes de moyenne hauteur, voisines de la mer, & comme détachées des hautes montagnes qui occupent le milieu des îles ; quelquefois ces dernieres sont aussi appellées mornes, ainsi que le gras morne, le morne du Vauclin & le morne de la Callebasse à la Martinique.“ Diderot/d'Alembert 2017, [page 10:715]
 
Die moderne Lexikographie bestätigt diese Einschätzung (vgl. TLFi, s.v. morne). Die BDLP führt morne „colline, montagne“, (BDLP s.v. morne) zwar als Wort der frankophonen Antillen, fügt jedoch einen guten wortgeschichtlichen Kommentar hinzu, der weiter ausgreift:

„Le mot apparaît à tort sans marque diatopique dans TLF, qui donne 1640 comme première attestation et précise : «Mot du créole des Antilles qui s’est répandu ensuite aux créoles de la Réunion, d’Haïti et de la Martinique [sic], d’orig. incertaine (cf. FEW t. 21, p. 15a).» Il faudrait en fait préciser qu’il appartient au français des Antilles, du Canada (att. dp. 1866 dans le fichier lexical en ligne du TLFQ; cf. encore ALEC 673, p 1, 2, 4, 109, 154 [Côte-Nord, Îles-de-la-Madeleine]) et de l’Océan Indien. Partout où il est employé, il entre dans la formation de nombreux toponymes. Son existence au Canada montre que, malgré ses origines tropicales, il devait faire partie de l’usage courant des voyageurs et des marins à l’époque coloniale. – L’étymologie de Bloch / Wartburg, reprise timidement par TLF («Peut-être issu, par altération, de l’esp. morro „monticule, rocher“) mais non par FEW 21, pose des problèmes phonétiques qui restent à ce jour inexpliqués.“ (BDLP s.v. morne, unter dem Reiter ‘Histoire’)

Die weitaus häufigste Bergbezeichnung ist jedoch piton: „Elévation de terre, qu’il s’agisse d’un haut sommet ou d’une simple éminence“ (BDLP s.v. piton). Diese sehr allgemeine Bedeutung steht in deutlichem Gegensatz zur semantischen Beschreibung des Worts im (TLFi) :

PITON, subst. masc.
I. – Clou ou vis à tête recourbée ou en forme d’anneau servant à recevoir un crochet, l’anse d’un cadenas, une tringle, etc. […] retrouve (PEYRÉ, Matterhorn, 1939, p.155):  […]
II.GÉOGR. Sommet pointu et dénudé d’une montagne, en partic., aux Antilles et à la Réunion. Le piton des Neiges à la Réunion. Bourbon n’est à vrai dire, qu’un cône immense (…) dont les gigantesques pitons s’élèvent à la hauteur de seize cents toises (SAND, Indiana, 1832, p.237). Au crépuscule on entendait un bourdonnement: c’était la tante de Charles Lacoste qui, désolée d’avoir quitté ses pitons et ses mornes, effleurait du doigt sa guitare (JAMMES, Mém., 1922, p.14). 
– P. anal. ♦ Relief isolé de forme conique, monticule aigu difficile à escalader. Piton rocheux, volcanique; escalader un piton. Un piton qui s’enlevait à brusques arêtes, une sorte de pyramide tronquée, au bout d’une longue falaise noire (VERCEL, Cap. Conan, 1934, p.205): […] Étymol. et Hist.I. 1. 1382 «clou dont la tête est en forme d’anneau» (Doc. ap. Ch. BRÉARD, Compte du Clos des Galées de Rouen, p.82); 2. 1884 alpin. (Annuaire du Club alpin fr., Année 1883 ds QUEM. DDL t.27); 3. région. a) 1930 «bouton de sonnette, de montre» (Canada); b) 1930 être sur le piton (ibid.)II. 1640 [éd.] géogr. (BOUTON, Relation de l’establissement des Français depuis l’an 1635 en l’isle de la Martinique, p.31); 1862 arg. (LARCH., p.250). I piton «clou» a été introduit dans le nord de la France par les constructeurs de bateaux du Midi; dér. du prov. pitar «picorer, picoter», lui-même dér. du rad. pitt-, désignant quelque chose de pointu (v. pite1); suff. -on1*. II prob. issu, par l’intermédiaire du parler de la Martinique (cf. BOUTON, supra) où le mot semble avoir été apporté par les colonisateurs venus de Gascogne ou éventuellement du nord de l’Espagne (cf. béarnais pitoû «élévation» ds FEW t.8, p.612b), du sens de «corne qui commence à pousser (chez les chevreaux, les agneaux), pointe de la corne du taureau; rejeton d’un arbre qui commence à bourgeonner» qu’a l’esp. piton au XVIIes. (v. COR.-PASC., s.v. pito et AL.), lui-même dér. de pitt-, v. supra. Voir FEW t.8, pp.612a-614b. […] (TLFi, s.v. piton)

Das Wort fehlt in dieser Bedeutung sowohl in Diderot/d'Alembert 2017 als auch in (Furetière 1690). In Frankreich selbst beide Wörter in der Toponymie und auch sonst nur schwach vertreten, so dass der Geoinformationsdienst OpenStreetMap (OSM) nur 4 Treffer für morne und 5 Treffer für piton liefert.

Nun finden sich jedoch Belege dieser beiden seltenen Typen weithin in der Toponomastik der außereuropäischen Frankophonie (von Kanada bis nach Tahiti), wie die folgende Karte zeigt:

Legende: Toponyme mit der Basis morne , piton , in der Frankophonie

Bei genauerem Hinschauen sind beide Typen in kleinen regionalen Ausschnitten sogar sehr stark präsent; allein auf der kleinen Insel La Réunion im Indischen Ozean (heute ein Département d’Outre-mer) finden sich 88 Bergbezeichnungen des Typs piton und 6  Bergbezeichnungen des Typs morne.

Legende: Bergnamen mit der Basis morne , piton , auf La Réunion

4.3. FLÜSSE

Die Namen der Fließgewässer zeigen ein ganz ähnliches Bild wie die Bergnamen, denn es dominieren Basen, die zwar im Französischen Frankreichs bekannt sind, jedoch in anderer Bedeutung und nur geringer Frequenz. Neben dem regional unspezifischen rivière sind ravine, bras und fond zu nennen. Die drei spezifischen Typen sind teils metaphorisch (bras), teils metonymisch (ravine, fond) motiviert. Ob sich jedoch aus der unterschiedlichen Motivation womöglich Bedeutungsunterschiede erhalten haben, geht nur aus den Namen nicht hervor. Im Französischen der Kolonisierungszeit bedeutete ravine sowie wie ‘Wolkenbruch’:

„RAVINE
s. f. Pluye orageuse & violente qui est ordinairement cause des torrents. Les ravines arrivent plûtost en esté qu’en hiver. Il est venu une ravine qui a emporté tous les foins qui étoient fauchez dans ces prez, toutes les gerbes qui étoient liées dans ce champ.“ ((Furetière 1690))

Im Französischen von La Réunion ist das Wort heute polysem und bedeutet einerseits ‘Wolkenbruch’ und andererseits ‘von Wolkenbrüchen bei Wirbelstürmen ausgewaschenes Flussbett’:

  1. „Torrent“ (BDLP, s.v. ravine 01),
  2. „Lit raviné créé par l’écoulement des eaux lors des cyclones ou des avalasses“ (BDLP, s.v. ravine 02).

Die metonymische Übertragung WOLKENBRUCH → FLUSS ist angesichts der je nach Niederschlag stark schwankenden Wassermengen der Fließgewässer selbstverständlich.  

In Frankreich  ist ravine nach Auskunft der OSM-Daten als Gewässername dreimal Mal belegt (zwei Bäche, ein Abwassergraben), ausnahmslos in der Normandie, genauer in der Umgebung von Rouen. Ganz ähnlich wie im Fall morne ist der Typ jedoch außerhalb Frankreichs weithin vertreten. Es scheint sich ursprünglich um eine spezifisch normannische Bedeutungsentwicklung zu handeln, die schon mit den Normannen (nach 1066) nach England gekommen ist und die, unabhängig davon, mit den französischen Kolonisten normannischen Ursprungs später zu einem charakteristischen Merkmal des Kolonialfranzösischen wurde, wie die folgende Karte zeigt:

Legende: der Typ ravine als Gewässername () und als Ortsname, in Ableitung eines Gewässernamens ()

Wiederum analog zu piton hat sich der Typ ravine speziell in La Réunion als außerordentlich produktiv erwiesen. Weniger massiv vertreten, wenngleich nicht weniger charakteristisch sind die bereits genannten Typen bras und fond; beide sind in Frankreich laut OSM-Daten als Gewässernamen nicht belegt. Immerhin wird aber die entsprechende Bedeutung des Appellativ bras bei Furetière 1690 ausdrücklich genannt:

„BRAS, se dit aussi de la mer & des rivieres, quand leurs eaux se separent, & font un petit canal entre deux terres. L’Italie & la Sicile ne sont divisées que par un bras de mer.“ (Furetière 1690) 

Eine detailliertere Dokumentation der Flussnamen von La Réunion liefert die folgende Karte:

Flussnamen mit der Basis bras, fond, ravine,,rivière auf La Réunion; Kombination von ravine und fond im selben Namen

5. Typisierung historischer Namenlandschaften

Die in diesem Beitrag als ‘proprietär’ bezeichnete Namen, die ausschließlich referieren und darüber hinaus keine semantische Information übermitteln, sind für die Typisierung von Namenlandschaften besonders relevant, denn sie sind ein wichtiger Indikator polystrataler historischer Tiefe. Allerdings ist grundsätzlich mit ihrer volksetymologischen Modifikation oder ihrer Übersetzung durch Appellativa jüngerer sprachlicher Strata zu rechnen. Dergleichen Überlagerungen lassen sich mit ausschließlich sprachinternen Mitteln nicht erkennen; es ist wohl in der Regel überhaupt unmöglich, einen wirklichen Nachweis zu führen. Allerdings geben sprachexterne, nämlich historische und archäologische Evidenzen plausible Indizien, in welchen Gegenden es angebracht ist, im Sinne eines adäquaten geschichtlichen Verständnisses nach verdeckten Substraten zu fragen. Die Kombination sprachlicher und nicht sprachlicher Daten ist daher von grundlegender Bedeutung und systematisch in die Darstellung einfließen.

Andere Kriterium zur  Typisierung toponomastischer Landschaften lassen sich womöglich aus dominanten Motivationsrichtungen zwischen unterschiedlichen Kategorien von Namen ableiten. So ist es z.B auffällig, dass etliche Flussnamen auf La Réunion von einzelnen Siedlungen, die am jeweiligen Flusslauf liegen, abgeleitet wind; dieser Typ ist in Gegenden mit größerer historischer Siedlungstiefe eher selten (vgl. immerhin die in Kap. genannte Götzinger Achen). Auch die Verwendung von Personennamen zur Spezifikation von Flussnamen ist dort vollkommen ungebräuchlich, während sie in La Réunion durchaus normal ist. Einen Eindruck gibt die folgende Karte:

Motivation eines Flussnamens durch einen Siedlungsnamen () und durch einen Personennamen

Bibliographie

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