Multilingualität als Herausforderung der virtuellen Geolinguistik, am Beispiel von VerbaAlpina (Präsentation)





Schlagwörter: Alpendialekte , kommunikativer Raum , Digitale Geisteswissenschaften , DH , Digital Humanities , Geolinguistik , Mehrsprachigkeit , VerbaAlpina

Bayerische Staatsbibliothek, NFDI4Memory Summer School 2026, Bridging the Gaps: Summer School zu Multilingualität in der Geschichtswissenschaft und Forschungs(daten)infrastrukturen

 

1. Sprache(n)

  • einerseits: neurophysiologische Grundausstattung (definierendes Merkmal der Spezies Mensch) - jeder Mensch kann sprechen
  • andererseits: kulturelle Technik
    • funktioniert nur in Gestalt von erlernten Einzelsprachen - jeder Mensch spricht mindestens eine spezifische Sprache1
  • Extreme Variabilität
    • äußere Sprachverschiedenheit zwischen Sprachen (Italienisch vs. Deutsch)
    • innere Sprachverschiedenheit zwischen Dialekten einer Sprache (Schwäbisch vs. Bairisch) und anderen Dimensionen der Variation (Soziolekte, Stile u.a.)
  • Dialekt:
    • kognitiv: vollständiges semiotisches System = Sprache
    • soziologisch: schwächer institutionalisiert   ≠ Sprache 

2. Geolinguistik: Sprachliche Variation im Raum

2.1. Theorie

  • Raum in linguistischer Perspektive: komplex
    ≠  geographisch
    = sozial, genauer: kommunikativ (durch Kommunikation erzeugt)
  • kommunikativer Raum = mehrdimensional
Profilierung des kommunikativen Raums (1): Dimensionen und Parameter
  Dimension Parameter
Räumlichkeit Sprache Territorium
Areal
Sprecher Provenienz
Mobilität
Sprechen face to face
medial

 

Profilierung des kommunikativen Raums (2): Spezifizierung der Parameter
Rote Umrahmung: Fokus der traditionellen Dialektologie
Dimensionen Parameter
  Spezifikation
Sprache Territorium Staat/Nation: z.B. Deutsch in Deutschland
autonome Region: z.B. Deutsch in Südtirol
Areal lokale Variation: z.B. Bairisch in Bayern/Österreich/Italien (BZ)
Sprecher Provenienz autochthon (z.B. Bayer in Bayern)
allochthon, Migrant (z.B. Sizilianer in Bayern → Secondo → weitere Generationen)
Mobilität Wohnort = Arbeitsplatz
Wohnort ≠ Arbeitsplatz (Pendler)
mobile Lebenswelt (Transhumanz, Nomadismus2)
Sprechen face to face Sprechen ohne mediale Unterstützung
medial Sprechen (Telephon, Spracherkennung), Schreiben (virtuell/analog)

2.2. Visualisierung: Karten

  • spezielles methodologisches Instrument: Sprachatlas
  • produktiv, in Europa und mittlerweile in Amerika weit verbreitet

zwei Grundtypen der Kartierung

a) Punktsymbolkarten: Typisierung (‘synthetische Karte’)

Punktsymbolkarte "Die Sennhütte bzw. der Sennereiraum auf der Alpe" (VALTS IV, Karte 73). Etymologisch romanische und germanische Typen werden farblich unterschieden (rot vs. schwarz).

b) Punkttextkarten: nicht typisierte Einzelbelege (‘analytische Karte’)

Punkttextkarte Nr. 869 aus dem ALD-II. Etymologisch germanische Typen wie ütia (< Hütte; s. die Punkte 83 und 85 auf der Karte) sind nicht eigens als solche markiert.

3. Multilingualität als methodologische Herausforderung

Mehrsprachigkeit (vgl. Riehl 2014):  eine mögliche Ausprägung aller genannten Parameter

  • potentiell multipel → individuelle und kollektive Mehrsprachigkeit

Raum als Parameter für die Typisierung von Mehrsprachigkeit

  • territoriale Mehrsprachigkeit (Diglossie +/- Bilinguismus), Dachsprache + überdachte Sprache)
  • areale Mehrsprachigkeit (Nebeneinander von Dialekten) = Voraussetzung der Dialektologie und der Sprachatlanten
    • manchmal auch im Hinblick auf Dialekte unterschiedlicher Sprachen (vgl. walserische, albanische und griechische Sprachinseln im AIS)
  • aber: Mehrsprachigkeit in den Dimensionen Sprecher und Sprechen weitestgehend ausgeblendet
      • Mehrsprachigkeit in der Dimension des Sprechens: sehr stark beforscht (Swichtings, Mixings), aber kaum in geolinguistischer Perspektive
      • seit ADDU (Harald Thun) methodologisch in der Gattung des Sprachatlas verankert (vgl. ALiB 2014-): ‘Pluridimensionale Sprachgeographie’

3.1. Auf der Ebene des Projekts VerbaAlpina

Projektportal: https://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de/?page_id=162&db=232

3.1.1. Mehrsprachigkeit im Alpenraum aus synchronischer Perspektive

  • 3 Sprachfamilien: Romanisch, Germanisch, Slawisch (und Mischareale, z.B. Kanaltal -> dreisprachig)
  • 7 staatliche Territorien: F, CH, FL, D, A, SLO, I

⇒ Sprachfamilienareale und Territorien ≠ kongruent 

Verbreitung der Areale der drei im Alpenraum vertretenen Sprachfamilien (interaktives Original: https://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de/?page_id=133&db=232&tk=5283&layer=1).

jede Sprachfamilie umfasst

  • zahlreiche Areale mit Lokaldialekten

Beispiel arealee Variantion in einem kleinen Ausschnitt aus AIS 1207 IL BURRO (Bezugspunkt 312, Wolkenstein) ; online-Karte bei NavigAIS: Link

  • Areale und Territorien ≠ kongruent (vgl. Typ botér in I und CH, Tessin)
  • zahlreiche Dialekte, georef. Wörterbücher (z.B. DRG, Idiotikon)

Eintrag Teie(n) aus dem Schweizerdeutschen Idiotikon mit Informationen zur geographischen Verbreitung einzelner Lexeme und ihrer Bedeutungen

  • großer manueller Aufwand für strukturierte Datenerfassung und Typisierung; nur teilweise automatisierbar, speziell bei Karten (s. Nguyen 2019).

Ziel von VerbaAlpina:

3.1.2. Einzelbelege und ihre Typisierung

Funktionalität der IDs aus der vorigen Tabelle:

Typisierung  und Mehrsprachigkeit → 3 Ebenen der Strukturierung

  • Morpholexikalischer Typ  → gruppiert Belege innerhalb einer Sprachfamilie
    • Kodierung der Sprachen und Sprachfamilien nach ISO 639-3 (Einzelsprachen) und ISO 639-5 (Sprachfamilien)
  • Basistyp → gruppiert Belege aus mehreren Sprachfamilien
    • Kognaten (Familie des Basistyps, z.B. Latein [lat.] → Romanisch [roa.])
    • Entlehnungen (Familie des Basistyps und andere Sprachfamilien, wenn gegeben; z.B. Germanisch [gem.] → Romanisch [roa.]
  • Konzept → sprachunabhängige, ontologische Referenz
  
                 Basistyp
               lat. unguere
                    |
          +---------+---------+
          |                   |
          v                   v
     Anke (gem)          unto (roa)
     germanisch          romanisch
    = Entlehnung         = Kognate

die skizzierte Typisierung

  1. erlaubt zwei gegenläufige Suchrichtungen
    - Bezeichnung → Konzept ("vom Wort zur Sache")
    - Konzept → Bezeichnung ("von der Sache zum Wort")
  2.  eröffnet eine historische Perspektive

3.1.3. Mehrsprachigkeit im Alpenraum aus diachronischer Perspektive

 

AKTUELLE AREALE Romanisch Germanisch (Deu.) Slawisch (Slow.)
  ÖST. DEU. SUPERSTRAT
  GERM. SUPERSTRAT SLAW. SUB.
  ROMANISCHES SUBSTRAT             
SPÄTANTIKE AREALE Lateinisch-Romanisch
  VORRÖMISCHE SUBSTRATE
Sprachliche Stratigraphie des Alpenraums (vereinfachtes Schema)
  • wortgeschichtliche Präzisierung einzelner Entlehnungen
    • Beispiel Butter
AKTUELLE AREALE Romanisch
(1) beurre/burro (m.)
(2) butirro (m.)↑
Germanisch (Deu.)
die Butter (f.)
der Butter (m.)
↑ (2)
Slawisch (Slow.)
puter (Dial.)
↑
  → ÖSTERR. DEU. SUPERSTRAT 
   
  ↑ ↑ ROMANISCHES SUBSTRAT
SPÄTANTIKE AREALE Varianten (1) bútyrum (2) butȳrum – Lateinisch-Romanisch
Stratigraphie des Basistyps lat. butȳrum (nicht relevante Strata ausgeblendet)

Ausschnitt aus AIS 426a IL GHIACCIAO, GLETSCHER,  → P 17 Lenz/Lantsch, Graubünden4

3.2. Auf der Ebene der Disziplin(en)

  • Situation: Medienwechsel in der Linguistik (‘DH’), Print → Online
  • methodologische Implikationen für die Geolinguistik (vgl. Krefeld/Lücke 2023)
  • Lexikographie: avanciert (gegenüber Morphologie und Syntax); vgl. Projekte wie das BabelNet von Roberto Navigli
  • Retrodigitalisierung von Print Lex.
  • genuine Online-Lex.
  • hybride Publikation (pdf + digitaler Text mit Volltextsuche)

Desiderat: offene Plattform zur mehrsprachigen, ‘interlingualen“ Lexikographie (‘Lexicographia coniuncta’, vgl.  zum Konzept Krefeld u.a. 2020)

n.B.:  Morphologie, Syntax, Pragmatik weniger vollständig

4. Einzelsprachübergreifende Verbindung: Die Konzeptebene

  • Einzelsprachunabhängig: Lexeme werden systematisch semantisch (onomasiologisch) annotiert, indem sie technisch mit den Konzepten verbunden werden, auf die sie referieren
  • Verknüpfung durch projektspezifische Identifikatoren (IDs)
                             KONZEPT 
                        (sprachunabhängig)
                  ┌───────────────────────────┐
                  │            ALM            |
                  |           (C216)          │
                  └─────────────┬─────────────┘
                                │
     ┌──────────────────────────┼─────────────────────┐
     │                          │                     │
     ▼                          ▼                     ▼
   malga (f.)                Alm (f.)             alpe (f.)      <- morphlex. Typen
   (L90)                      (L635)                (L466)
(romanisch:Ital.)   (germanisch: Deutsch)     (romanisch: Franz.)
     │                          │                     │
     ├─ málġyα (S136009)        ├─ Oim                ├─ alpe    <- phonet. Var.
     ├─ mˈalʥ̆                   ├─ ôẹm                ├─ ˈɛlp       Einzelbelege
     ├─ mˈalja                  ├─ åim                ├─ ˈaːlp
     └─ ...                     └─ ...                └─ ...
  • Hierarchische Struktur in VerbaAlpina: maximal 3 Ebenen
  • VA-eigenes Tool zur Verwaltung der Konzepte und deren Hierarchie:

VerbaAlpina-Tool zur Verwaltung der hierarchisch angelegten Konzeptebene (Link [zugriffsgeschützt])

5. Linked Data

Ergebnis einer MySQL-Abfrage, die einzelsprachübergreifend Morpholexikalische Typen (Spalte ‘MorphLexTyp’) listet, die mit dem Konzept ALM verbunden sind. Die Spalte Wikidata_QID enthält die sog. QID von Wikidata, die das entsprechende ‘item’ in Wikidata identifiziert. Die Spalte ‘VA_ID’ enthält die VerbaAlpina-spezifische ID des selben Konzepts. VerbaAlpina unterscheidet nur Sprachfamilien, keine Nationalsprachen.

5.1. Integration in den Wikidata Knowledge Graph: Wikidata-‘Lexemes’

  • warum Wikidata?
    • de facto Standard und weit verbreitet
    • Funktion als ‘Metadaten-Hub’
      • Property der ‘externen Identifikatoren’ → ermöglicht Verbindungen zu beliebigen anderen strukturierten Datenbeständen
  • eigene Wikidata-‘Sektion’ für lexikographische/lexikalische Daten: https://www.wikidata.org/wiki/Wikidata:Lists/lexemes/1%E2%80%931000 (Wikidata-Suche nach Lexemen: Präfix ‘L", z.B. Suche nach dem Wort mont: ‘L:mont’; auf speziellen Interface-Seiten können die Daten zu jedem einzelnen Lexem eingegeben/geändert/ergänzt werden [s. Abb. 10])
  • Wikidata-‘Sektion’ ‘items’ (zentrale Referenz u.a. für Wikipedia-Artikel [‘Datenobjekt’]) repräsentiert die Konzept-Ebene von Wikidata
  • VerbaAlpina-Wikidata-Property: https://www.wikidata.org/wiki/Property:P10381 
WIKIDATA = WD; VerabAlpina = VA

 ┌───────────────────┐     ontolex:sense     ┌───────────────────┐
 │ WD-LEXEM          │ ────────────────────► │ WD-SENSE          │
 │ L…                │                       │ L…-S1             │
 │ Lemma/Wortart/    │                       │                   │
 │ Sprache           │                       │ Bedeutung         │
 │                   │                       │ (sprachspezifisch)│
 └─────────┬─────────┘                       └─────────┬─────────┘
           │                                           │
           │ P10381                                    │ P5137
           │ VA ID                                     │ item for this sense
           ▼                                           ▼
 ┌───────────────────┐                       ┌───────────────────┐
 │ VA-LEXEM          │                       │ WD-ITEM           │
 │ L…                │                       │ Q…                │
 └─────────┬─────────┘                       │ KONZEPT           │
           │                                 │ (sprachunabh.)    │
           │                                 └─────────┬─────────┘
           │                                           │
           │ in VA                                     │ P10381
           │ belegt an                                 │ VA ID
           │                                           ▼
           │                                 ┌───────────────────┐
           │                                 │ VA-KONNZEPT       │
           │                                 │ C…                │
           │                                 └───────────────────┘
           │
           ├──────────────────────┬──────────────────────┐
           │                      │                      │
           ▼                      ▼                      ▼
 ┌───────────────────┐  ┌───────────────────┐  ┌───────────────────┐
 │ VA-ORT            │  │ VA-ORT            │  │ VA-ORT            │
 │ A…                │  │ A…                │  │ A…                │
 │ Belegort 1        │  │ Belegort 2        │  │ Belegort n        │
 └─────────▲─────────┘  └─────────▲─────────┘  └─────────▲─────────┘
           │                      │                      │
           │ P10381               │ P10381               │ P10381
           │ VA ID                │ VA ID                │ VA ID
           │                      │                      │
 ┌─────────┴─────────┐  ┌─────────┴─────────┐  ┌─────────┴─────────┐
 │ WD-ITEM           │  │ WD-ITEM           │  │ WD-ITEM           │
 │ Q…                │  │ Q…                │  │ Q…                │
 │ Ort 1             │  │ Ort 2             │  │ Ort n             │
 └───────────────────┘  └───────────────────┘  └───────────────────┘
  • Wikidata-‘senses’ = einzelsprachspezifische Bedeutungsangaben eines Lexems
  • auch  ein Lexem → mehrere ‘senses’ (Polysemie)
  • "senses’ in der regel über die property P5137 mit wikidata-items (also KONZEPTEN) verbunden
    u.U.  ein Lexem über mehrere ‘senses’ mit ein und demselben ‘item’/KONZEPT verbunden; eine Umkehrung dieser Logik (anstatt ‘lexeme’ -> ‘senses’ -> ‘item’ besser ‘lexeme’ -> ‘item’ -> ‘senses’) erscheint erwägenswert, liegt aber in der Hoheit von Wikidata

      • Grundproblem der Wikidata: praktikabler ‘Hub’ - bei Nutzung jedoch kaum Einfluss auf die wenig transparente ‘governance’ 
  • "senses’ werden in Wikidata nicht über eine Wikidata-Property, sondern über eine Property von OntoLex/LEMON kodiert. Grund ist die gewünschte Anschlussfähigkeit an das Semantic Web. Aus Sicht von VerbaAlpina ist der Unterschied unerheblich.
                       SPRACHGEBUNDEN

                    ┌───────────────────┐
                    │ WD-LEXEM          │
                    │ L…                │
                    │ Lemma/Wortform    │
                    └─────────┬─────────┘
                              │
                    ontolex:sense
                              │
                 ┌────────────┴────────────┐
                 │                         │
                 ▼                         ▼
       ┌───────────────────┐     ┌───────────────────┐
       │ WD-SENSE 1        │     │ WD-SENSE 2        │
       │ L…-S1             │     │ L…-S2             │
       │ Bedeutung 1       │     │ Bedeutung 2       │
       └─────────┬─────────┘     └─────────┬─────────┘
                 │                         │
                 │ P5137                   │ P5137
                 │                         │
                 └────────────┬────────────┘
                              │
                              ▼
                      SPRACHUNABHÄNGIG
                    ┌───────────────────┐
                    │ WD-ITEM           │
                    │ Q…                │
                    │ gemeinsames       │
                    │ Konzept           │
                    └───────────────────┘
  • Die Anbindung des VerbaAlpina-Datenbestands erfolgt über die Wikidata-Property P10381. Sie erfolgt auf drei Ebenen: den Lexemen, den Konzepten und den Orten (= der Georeferenz)
  • Die Zuordnung zu Einzelsprachen ist sowohl in VerbaAlpina als auch in Wikidata lexemspezifisch. Eine Inkongruenz besteht allerdings insofern, als VerbaAlpina lediglich eine Zuordnung zu Sprachfamilien vornimmt, während Wikidata Einzelsprachen adressiert. Während VerbaAlpina frz. mont und ital. monte als Varianten eines romanischen Lexemtyps betrachtet, behandelt Wikidata die beiden Lexeme getrennt und weist sie dem Frz. bzw. dem Ital. zu. Bei der Anbindung der VerbaAlpina-Lexeme an Wikidata erfolgt daher eine Doppelzuweisung: Sowohl das Wikidata-Lexem frz. mont als auch das ital. monte werden beide über P10381 dem VerbaAlpina-Lexem rom. mont/monte zugewiesen.
                      VA-Lexem L348
                   (roa. mont/monte)
                    /               \
                   /                 \
                  /                   \
                 /                     \
        WD-Lexem Frz.                   WD-Lexem Ital.
           (mont)                          (monte)
           L23872                         L1157609
             │                        /              \
             │                       /                \
             │                      /                  \
           Sense 1               Sense 1             Sense 2
              \                   /                     │
               \_____ P5137 _____/                    P5137
                        │                               │
     WD-Konzept Q8502 (BERG)             WD-Konzept Q2082774 (MOUNTAIN PASTURE)
                        │                               │
           VA-Konzept C696 (BERG)          VA-Konzept C4466 (WEIDE, IM GEBIRGE)

Schema der Abbildung des VA-Lexems rom. mont/monte (L348) auf die Wikidata-Lexeme frz. mont (L23872) und ital. monte (L1157609). VA-IDs sind rot, Wikidata-IDs grün gefärbt.

Wikidata-Formular zur Verwaltung von Senses und Items, die einem Lexem zugeordnet werden können (am Beispiel von ital. malga [L1214269])

5.1.1. Kleiner Exkurs zur Kategorie ‘sense’ in den ‘Lexicographical data’ von ‘Wikidata’

Einträge von ‘lexemes’ = nicht hinreichend fomalisiert (ID Lxxx)
(Bspl.: https://www.wikidata.org/wiki/Lexeme:L6744 deu. zu (Präp.) - https://www.wikidata.org/wiki/Lexeme:L906806 deu. Alpe - https://www.wikidata.org/wiki/Lexeme:L488952 deu. ah - https://www.wikidata.org/wiki/Lexeme:L1591267 sr-latn. Grčka)

Komponenten eines Eintrags:

  • Sprachzuweisung
  • Wortart
    → ‘lexemes’ = einzelsprachlich
  • direkte 'statements' zum 'lexeme' (mit dem 'lexeme' als Objekt): nicht obligatorisch
    • Beispiele für (fakultative) 'properties': z.B. P5713 requires grammatical feature, P5401 homograph 'lexeme'
    • 'properties', die sich direkt auf das lexeme beziehen, betreffen NICHT die lex. Bedeutung
  • 'external identifiers' (im dt. Wikidata schlicht 'Identifikatoren'): nicht obligatorisch (vor allem aus Wörterbüchern auch Korpora)
  • 'senses' (einzelsprachliche Bedeutungen):
    • nicht obligatorisch (ID Lxx-S1 usw.), obwohl die wichtigste lexikographische Information 
    • intuitiv formulierte Bedeutungsangaben (nicht obligatorisch): nicht im System operationalisiert
    • durch 'statements' werden 'items' (Konzepte) zugewiesen (Item for this sense P5137) (nicht obligatorisch)
    • reine Derivate (als eigenständige Kategorie überflüssig/irreführend)
    • gruppierende, Bezeichnungen der zugewiesenen 'items'

‘items’ (im Gegensatz zu ‘senses’):
≠ einzelsprachlich
= universal
- durch Zuweisung an ‘lexeme’ jedoch einzelsprachlich relevant
- garantieren Vergleichbarkeit, allgemeine Referenz
→ müssten im Sinne der Konsistenz obligatorisch sein

  • Forms (ID Lxx-1 usw.)
    • Statements: nicht obligatorisch (z.B. P898 IPA transcription; P443 pronunciation audio)

5.2. Beispiel: Abfragen über den SPARQL-Endpoint von Wikidata

  • Wikidata Sparql-Endpoint query.wikidata.org
  • Beispielabfrage: Finde alle bei VerbaAlpina verzeichneten Lexeme, die das Konzept ALMHÜTTE bezeichnen
  • Ergebnis (zur Anzeige der dahinterliegenden SPARQL-Abfrage mit Maus auf Tabelle gehen und "SPARQL bearbeiten" anwählen): Lexeme mit der Bedeutung ALMHÜTTE aus verschiedenen Einzelsprachen, samt jeweiligen VerbaAlpina- und Wikidata-IDs

  • Desiderat: Systematische Eintragung der VerbaAlpina-IDs in Wikidata-Datenbestand

Bibliographie

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  • VALTS = VALTS (Hrsg.) (1985-2004): Gabriel, Eugen: Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein, Westtirols und des Allgäus, vol. 1-5, Bregenz, Vorarlberger Landesbibliothek.
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Auch biologische Bedürfnisse, z.B. in den Bereichen Ernährung und Kleidung sind kulturell überformt, so dass sie starken Gebots- und Verbotsregeln unterliegen können; es ist jedoch auch eine rein medizinisch-biologische Versorgung möglich. Ein Sprechen jenseits kultureller Techniken, d.h. außerhalb der Einzelsprachen ist dagegen ausgeschlossen.
Als kollektive Lebensform ist der Nomadismus in weiten Teilen der Welt verschwunden; als individuelle Option wird er eher jedoch unter den Bedingungen der aktuellen Informationsgesellschaft durch die sog. digitalen Nomaden wieder praktiziert.
Einzelbelege sind in VA mit einer ID identifiziert; diese kann jedoch im Unterschied zu den IDs der morpholexikalischen Tpyen (Lnn), der Konzepte (Cnn) und der Orte (Ann) nicht über eine spezifische URL angesprochen werden.
Der Hinweis auf "glačer in Wallis" im Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer im DWDS, s.v. Gletscher  ist zweifelhaft, da kein Beleg genannt wird. Die frankoprovenzalischen Formen im FEW en ligne, s.v. glacies, sprechen dagegen.

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