Die digitale Belegdatenbank des WBÖ im ‚Lexikographischen Informationssystem Österreich‘ – Zugriff und Vernetzungsmöglichkeiten

Abstract

Das Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ) ist ein Langzeitprojekt, dessen Ziel in der umfassenden Dokumentation und lexikographischen Aufarbeitung der reich gegliederten bairischen Dialekte in Österreich und Südtirol besteht. Die Datengrundlage bildet der sog. „Hauptkatalog“, eine ca. 3,6 Millionen Handzettel umfassende Sammlung von Belegen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mithilfe von freiwilligen Sammlern oder auf Kundfahrten sowie durch das Exzerpieren einschlägiger Literatur erstellt wurde.

Mit der ursprünglichen Absicht, das die lexikographische Arbeit zu erleichtern und das Artikelschreiben zu beschleunigen, wurden die Handzettel ab dem Buchstaben D – die Buchstaben A, B/P und C waren bereits in die Artikel der ersten vier Bände eingegangen – manuell in ein TUSTEP-System übertragen und später in mehreren Schritten (zuletzt Anfang 2019) in XML/TEI konvertiert (vgl. Bowers/Stöckle 2018). Insgesamt enthält die Belegdatenbank ca. 2,4 Millionen Einträge.  

Seit Dezember 2016 wird das WBÖ an der Forschungsabteilung „Variation und Wandel des Deutschen in Österreich“ am Austrian Centre for Digital Humanities der ÖAW von einem neuen Team auf der Basis einer überarbeiteten Konzeption und mit modernisierter texttechnologischer Grundlage fortgeführt. Einen wesentlichen Bestandteil dieser neuen Konzeption stellt die (derzeit noch passwortgeschützte) Publikations- und Rechercheplattform „Lexikographisches Informationssystem Österreich (LIÖ)“ dar (https://lioe.dioe.at/). Auf der Plattform werden nicht nur alle neuen WBÖ-Artikel publiziert, zusätzlich erhalten NutzerInnen die Möglichkeit, Recherchen in der Belegdatenbank durchzuführen sowie ein interaktives Kartentool zu nutzen.

Die digitale Publikation der Wörterbuchartikel und die Einbindung der digitalen Belegdatenbank, die beide im TEI-Format vorliegen, eröffnen zudem weiteres Potenzial zur Vernetzung mit anderen Wörterbuchprojekten (wie etwa dem Bayerischen Wörterbuch, dem Fränkischen Wörterbuch oder dem Wörterbuch von Bayerisch-Schwaben) mit ähnlicher texttechnologischer Grundlage. Möglichkeiten für solch eine Vernetzung ergeben sich etwa auf der Ebene gemeinsamer Lemmata oder über semantische Felder, wie sie beispielsweise in der semantischen Taxonomie nach Rudolf Post beschrieben sind, die bereits von verschiedenen Wörterbuchprojekten adaptiert wurde.

Bibliographie

  • Bowers/Stöckle 2018 = Bowers, Jack / Stöckle, Philipp (2018): TEI and Bavarian dialect resources in Austria: updates from the DBÖ and WBÖ, in: Frank, Andrew U. / Ivanovic,, Christine / Mambrini,, Francesco / Passarotti, Marco / Sporleder, Caroline (Hrsgg.), Proceedings of the Second Workshop on Corpus-Based Research in the Humanities (CRH-2), Wien, Gerastree Proceedings, 45-54.